Was ist eigentlich Offshore-Banking?
Es gibt für das Wort „Offshore“ keine allgemein gültige Definition. Erstmals verwendet wurde es wohl in Großbritannien. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen starken Zuzug von Finanzdienstleistern auf die britischen Kanalinseln. Ihr spezieller verfassungsrechtlicher Status gibt den britischen Kanalinseln ein hohes Maß an Unabhängigkeit in allen inneren Angelegenheiten gegen über dem britischen Mutterland.
So können die Inseln in finanzrechtlicher Hinsicht weitgehend frei schalten und walten. Die Kanalinseln entwickelten dann ziemlich schnell das Geschäftsmodell des „sicheren Hafens“, einer Steueroase, in der wohlhabende britische Geschäftsleute ihr Vermögen vor der sprunghaft steigenden Steuerlast in Großbritannien in Sicherheit bringen konnten. An diesem Motiv, hat sich bis heute nicht wirklich viel verändert.
„Offshore“ bedeutet sinngemäss: „Vor der Küste“.
Die britischen Kanalinseln lagen vor der Küste, außerhalb des Mutterlandes. Zu seiner vollen Blüte kam dieser Trend in den siebziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, als linksgerichtete britische Regierungen den Steuersatz für wohlhabendere Bürger auf bis zu 90% angehoben wurden. In den achtziger und neunziger Jahren strebten dann zahlreiche kleine Inseln in der Karibik, die zuvor britische Kolonien gewesen waren, nach der Unabhängigkeit.
Länder wie die Bahamas, Belize oder die Britischen Virgin Island erreichten einen weitgehend von Großbritannien unabhängigen Status. Diese ehemals britischen Kolonien kopierten sehr schnell das Geschäftsmodell der britischen Kanalinseln und schufen ebenfalls besonders günstige Bedingungen für ausländische Investoren. Aufgrund ihrer geografischen Nähe setzten die karibischen Offshore-Staaten auf amerikanische und kanadische Bürger, die ihr Vermögen steuerschonend anlegen wollten.
Während populistische und linksgerichtete Politiker und Journalisten gerne versuchen, Offshorebanken mit Dingen wie Geldwäsche, Drogenhandel oder Steuerhinterziehung in Verbindung zu bringen, sieht die Wirklichkeit heute ganz anders aus. Die meisten der ehemaligen „Steueroasen“ sind längst zu prosperierenden internationalen Finanzzentren geworden, in denen international akzeptierte Regeln gelten.
Diese Finanzplätze sind ein wichtiger Teil des globalisierten Welthandels geworden. So kommt es auch, das diese Länder sich selber lieber als „Internationale Finanzplätze“ bezeichnen anstatt als „Steueroase“ oder „Offshore“.
Wir bleiben in diesem Report bei dem Begriff „offshore, weil dieser Begriff sich im Englischen und auch deutschen Sprachraum eingebürgert hat und jeder weiß, was gemeint ist.
Was bedeutet Offshore Banking heute?
Offshorebanking bedeutet heute, ein Bankkonto außerhalb des Rechtsbereiches des eigenen Landes zu unterhalten, z.B. als US- Amerikaner ein Konto in Singapur oder Lettland oder als EU-Bürger ein Konto in Neuseeland, Hongkong oder Belize. Es gibt letztlich fast unendliche Gestaltungsmöglichkeiten. Entscheidend ist immer, das dass Offshorekonto sich außerhalb des Zugriffsbereichs der Regierung des Heimatlandes befindet. Es handelt sich bei einem Offshorekonto also immer um ein Auslandskonto, das sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit haben oder in dem Sie Ihren Lebensmittelpunkt haben.
Warum ein Offshore-Konto?
Die Beweggründe, ein Konto im Offshore zu eröffnen, können sehr unterschiedlich sein. Es gibt im wesentlichen folgende Motive:
- a) Steuervermeidung:
Keine Frage, Offshore-Konten wurden häufig auf den Namen von Briefkastenfirmen eröffnet, um damit Steuern zu vermeiden. Vergessen Sie das besser, solange Sie Ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Mit den neuen Informationaustauschsystemen, die jetzt eingerichtet werden, ist es in Zukunft sehr unwahrscheinlich, dass Sie noch irgendwo ein Konto hinter einer Offshorefirma verstecken können, ohne dass das Finanzamt das früher oder später mitbekommt. Wenn Sie in Deutschland keine Steuern und Abgaben mehr zahlen wollen, müssen Sie das Ganze schon etwas professioneller angehen und entweder selbst das Land verlassen oder tatsächlich eine Firma mit Substanz im Ausland gründen und auch die geschäftliche Oberleitung dorthin verlegen.
Wir können an dieser Stelle nicht auf alle steuerlichen Aspekte eingehen, das würde den Rahmen dieses Ebooks hoffnungslos sprengen. Wie allgemein bekannt,ist das deutsche Steuerrecht eines der komplexesten der Welt.
Es muss aber nicht immer der Wunsch nach Steuervermeidung sein, der maßgebend für die Eröffnung eines Offshorekontos ist.
- b) Vermögensschutz:
Wenn Sie Ihrer einheimischen Regierung misstrauen, wenn sie nicht einverstanden sind, mit den Dingen die bei Ihnen zu Hause geschehen, zum Beispiel dem brandgefährlichen Euro-Rettungspaket, oder den immer weiter um sich greifenden staatlichen Eingriffen in die Privatsphäre, dann ist ein Auslandskonto auf jeden Fall ein Weg, Vermögen und Privatsphäre zu schützen. Wenn Ihr Geld auf einem Auslandskonto liegt, kann der Staat nicht viel ausrichten. Während Guthaben auf Konten in Deutschland oder in anderen EU-Staaten im Krisenfall ziemlich einfach beschlagnahmt, eingefroren oder per Währungsreform entwertet werden können, sind Gelder auf Auslandskonten außerhalb der EU vor dem gierigen Zugriff von EU-Politikern und Bundesregierung geschützt.
Offshorebanken verfolgen oft eine konservativere Geschäftspolitik und sind besser finanziert als die wackelnden Großbanken in Europa und Nordamerika, die ohne laufende Regierungsunterstützung ständig drohen, in Straucheln zu geraten. Herkömmliche Banken in Europa oder in den USA arbeiten mit Mindestreserven von wenigen Prozent. Sie verfügen über wenig Eigenkapital und haben die Einlagen ihrer Kunden in mehrfacher Höhe als Kredite ausgereicht. Wenn eine größere Zahl von Kunden bei einer Bank in Europa oder den USA gleichzeitig ihre Spareinlagen abheben will, droht den Banken die sofortige Zahlungsunfähigkeit.
Offshorebanken verleihen hingegen teilweise gar kein Geld und leben ausschließlich von den Gebühren, die für die Kontoführung anfallen. Ein Grund, warum ein Konto bei einer Offshore Bank in der Regel teurer ist als bei der Sparkasse um die Ecke.
Auch dies ein weiterer guter Grund, sein Geld lieber außerhalb der gefährdeten Eurozone und natürlich auch Nordamerikas anzulegen.
1.4. Ist ein Auslandskonto legal?
Ist ein Offshorekonto legal oder wird so etwas nicht ausschließlich von Leuten benutzt, die etwas zu verbergen haben, z.B. Geldwäschern oder Steuerhinterziehern? Nun, seit vielen Jahren werden die kleinen Staaten, die früher als „Steueroasen“ fungierten, massiv von den großen Hochsteuerländern unter Druck gesetzt. Wahrscheinlich haben die meisten Offshoreländer inzwischen strengere Geldwäschegesetze als die G-7- Staaten.
Natürlich kann jede Struktur auch von Kriminellen missbraucht werden, aber illegale Gelder aus Drogen- und Waffenhandel oder Prostitution werden genauso über die großen Banken in London oder Frankfurt am Main transferiert, ohne dass sich wer daran stört. Die Kampagnen gegen Steueroasen dienen ausschließlich dazu, die Steuervermeidung in den Industriestaaten zu begrenzen. Sinnigerweise fungieren einige Bundesstaaten der USA, z.B. Delaware, selbst de facto als Steueroasen für Nicht-US-Bürger, die dort ein Unternehmen gründen.
Ein Auslandskonto ist jedenfalls grundsätzlich völlig legal und keineswegs etwas Illegales, auch wenn die Medien leider ständig etwas anderes suggerieren und Auslandskonten grundsätzlich mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Verbindung bringen.
Heikler sieht es schon im Hinblick auf die Steuergesetzgebung, insbesondere in Deutschland aus. Wenn Sie in Ihren Wohnsitz in Deutschland belassen und Geld auf einem Offshorekonto parken, ohne dies bei Ihrem heimischen Finanzamt zu deklarieren, dann riecht das stark nach Steuerhinterziehung. Denn sämtliche Einkünfte die Sie weltweit erzielen, sind in Deutschland zu versteuern, sofern Sie in Deutschland ansässig sind. Sie können soviel Geld auf einem Auslandskonto parken wie Sie wollen, solange dabei keine Einnahmen entstehen. Geld, dass Sie auf einem reinen Girokonto im Ausland geparkt haben, ist ungefährlich. Sobald Sie aber Zinsseinkünfte auf im Ausland angelegte Gelder erzielen und diese dem Finanzant nicht angeben, begehen Sie Steuerhinterziehung und machen sich strafbar. Und natürlich machen Sie sich auch strafbar, wenn Sie unversteuertes Schwarzgeld auf einem Offshorekonto verstecken.
In der Vergangenheit hatten Sie ganz gute Chancen, damit unentdeckt zu bleiben. Mit den neuen Abkommen zum Informationsaustausch müssen Sie aber jederzeit damit rechnen, mit solchen plumpen Versuchen aufzufliegen. Denken Sie an Uli Hoeneß, den wohl Aufsehen erregendsten Fall der letzten Jahre – es lohnt sich nicht, ein solches Risiko einzugehen.
Anders sieht es aus, wenn Sie Ihren Wohnsitz in ein Land außerhalb Deutschlands oder gar der EU verlagern. In diesem Fall sind Sie in Deutschland auch nicht mehr steuerpflichtig. Soweit die Lage zu Privatkonten. Bei Firmenkonten ist es etwas komplizierter. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt nochmal detaillierter darauf eingehen.
1.5. Wie steht es mit dem Bankgeheimnis?
Es gibt kaum ein Thema, zu dem so viele Mythen und sowenig Fakten im Umlauf sind wie bei diesem. Es gibt nach wie vor Länder, mit einem weitgehend aktivem Bankgeheimnis, keine Frage.
Was es nicht gibt, sind anonyme Nummernkonten oder überhaupt anonymes Banking. Alle Banken verlangen weltweit genaue Angaben darüber wer Sie sind und was Sie vorhaben, wenn Sie irgendwo ein Konto eröffnen. Sie können beliebig viel Geld in manchen Ländern deponieren und dem Zugriff Ihres Heimatlandes entziehen, solange Sie sich nichts zuschulden kommen lassen und das Geld nicht aus kriminellen Aktivitäten stammt.
Auf der anderen Seite müssen Sie sich darüber im Klaren sein:
Wenn Sie wirklich in das Visier einer Behörde eines mächtigen Industriestaates wie Deutschland, den USA oder Großbritanniens geraten, gibt es kein Land auf der Welt in dem Sie 100%-tig sicher sein können, das die Banken dort jedwedem Druck standhalten. Man wird Ihre Daten preisgeben, Ihr Konto kündigen und Ihr Guthaben einfrieren. Aber soweit muss es nicht kommen. Zum einen gehen wir davon aus, das Sie Ihr Offshorekonto nur für ehrenwerte geschäftliche Aktivitäten verwenden und nicht in Menschenhandel, Kinderpornographie, Waffen- oder Drogenhandel verstrickt sind. Zum anderen können Sie schon bei der Auswahl Ihres künftigen Banking- Standortes das Risiko möglichst minimieren, indem Sie sich für ein Land entscheiden, das möglichst wenig Abkommen zum Informationsaustausch mit anderen Ländern angeschlossen hat.
In unserem Fall – wir gehen davon aus dass Sie Deutscher, Österreicher, Schweizer oder Bürger eines anderen EU-Landes sind, ist vor allem interessant, wie es um den Informationsaustausch mit den Ländern der EU und hier besonders mit der Bundesrepublik bestellt ist.
Aber wie gesagt: Wenn es jemand wirklich auf Sie abgesehen hat, und man entsprechenden Druck auf die Banken ausübt, wird letztlich jedes Geldinstitut auf diesem Planeten über kurz oder lang nachgeben und Ihre Daten offenlegen.
Denken Sie an Liechtenstein und die Schweiz, wo Bankdaten entwendet und für Millionenbeträge an deutsche und französische Steuerbehörden verkauft worden sind. In beiden Ländern hat das Bankgeheimnis einen hohen Stellen wert. In der Praxis können Sie es bei solchen Vorfällen in der Pfeife rauchen.
Ein Tipp zum Schutz Ihres Kontos gegen Datendiebstahl: Menschen sind bequem: Wo bringen die meisten Deutschen Ihr Geld in Sicherheit?
Natürlich in den unmittelbaren Nachbarländern: In Liechtenstein, der Schweiz und zum Teil auch noch in Österreich. Das ist bequem, dort wird deutsch gesprochen und man hat im Zweifelsfall nur eine kurze Anreise.
Das ist aber auch genau das, womit Herr Schäuble rechnet… Natürlich richtet die deutsche Regierung aus eben diesem Grund ihr besonderes Augenmerk auf die Länder in der unmittelbaren Nachbarschaft – ebenso wie die USA einen besonders aufmerksam Blick auf die Cayman-Inseln, die Bahamas und andere karibische Steuerparadiese haben. Warum eröffnen Sie statt in der Schweiz nicht lieber ein Konto in Hongkong oder Singapur? Ihr Geld ist dort ebenso sicher aufgehoben und die Gefahr, das jemand dort Date entwendet und an die deutsche oder sonst eine Regierung verkauft, ist bei weitem geringer.
Nachtrag vomJuni 2016: Das Bankgeheimnis ist weltweit so gut wie tot. In Zukunft wird es kaum noch möglich sein, Privat- und Geschäftskonten im Ausland effektiv zu verbergen, da es inzwischen zwischen fast allen Ländern Systeme zum automatischen Austausch von Kontoinformationen gibt. Und wo es sie noch nicht gibt, werden diese Systeme jetzt eingerichtet. Noch gibt es einige kleine Schlupflöcher und einige wenige Enklaven im System des weltweiten Informationsaustausches. Langfristig könnte das System weltweit weitgehend lückenlos werden. Aus diesem Grund sollten Sie jetzt nicht smehr machen, was man in Deutschland irgendwie als Steuerhinterziehung auslegen könnte.
1.6. Behalten Sie ein Geheimnis für sich!
Die meisten Offshorekonten werden von Ex-Frauen, neidischen „Freunden“ und Nachbarn oder sonstigen Personen aus der unmittelbaren Umgebung des Kontoinhabers verraten. Erzählen Sie niemandem von ihrem Offshorekonto, wenn es nicht absolut notwendig ist. NIEMANDEM!
WIRKLICH NIEMANDEM! Wenn Sie ein Konto wirklich geheim halten wollen, dann halten Sie unter allen Umständen den Mund.
Bewahren Sie zu Hause keinerlei papierenen Aufzeichnungen auf und verschlüsseln Sie elektronische Daten so, das Dritte darauf garantiert keinen Zugriff haben, auch im Falle eines Diebstahls oder einer Beschlagnahmung nicht! Wie Sie Daten sicher verschlüsseln und Ihre elektronische Privatsphäre schützen, erfahren Sie aus unserem Report zum
Thema Computersicherheit.
1.7. Eine Offshorefirma bietet zusätzlichen Schutz
Wir würden eher davon abraten, Bankkonten im Offshore auf Ihren persönlichen Namen zu eröffnen. Bei jeder Transaktion, bei jeder Überweisung, egal ob ein- oder ausgehend und bei jeder Barabhebung und jedem Kreditkarteneinsatz hinterlassen Sie Spuren im weltweiten Bankensystem, die bis in alle Ewigkeit gespeichert werden. Hinzu kommt, das die EU zu zahlreichen bekannten „Steueroasen“ mittlerweile Abkommen unterhält, die einen automatischen Datenaustausch der Kontodaten von Privatpersonen vorsehen. Echtes Bankgeheimnis kann man das nicht nennen.
Eröffnen Sie Ihr Konto sicherheitshalber im Namen einer Firma oder einer Stiftung sieht es anders aus: Nicht mehr Sie persönlich, sondern der Firmenname taucht künftig bei Transaktionen jeglicher Art in den Bankrechnern auf. Dies bietet Ihrer Privatsphäre eine zusätzliche Schutzschicht und erhöht den Schutz Ihrer Privatsphäre etwas. Zwar müssen Sie der Bank gegenüber immer angeben, wer der wirtschaftlich Berechtigte des Kontos ist, der sogenannte „beneficial owner“. Diese Information hat allerdings nur die Bank in ihren Unterlagen, öffentlich sind Informationen über den tatsächlichen Inhaber einer Offshoregesellschaft in den meisten Staaten nicht zugänglich. Menschen mit Wohnsitz in Nordamerika oder Europa raten wir dringend dazu, eine Offshorefirma einzusetzen, auf deren Namen das Konto eröffnet wird.
Wenn Sie nicht gerade Millionenbeträge parken oder sonst wie besonders hohe Ansprüche stellen, reicht schon eine ganz normale 0815- Offshorefirma, eine sogenannte IBC, wie Sie sie auf den Seychellen, in Belize oder Nevis oder Panama schon für unter 1000$ gründen lassen können. Diesen Schritt müssen Sie logischerweise gehen, bevor Sie zur eigentlichen Kontoeröffnung schreiten. Es gibt sehr gute Gründungsagenturen, die die Firmengründung binnen weniger tage abwickeln und Sie mit allen notwendigen Dokumenten versorgen, die Sie für eine Kontoeröffnung benötigen. Einige der bessere Gründungspezialisten übernehmen auch gleich die Kontoeröffnung bei der Bank für Sie und liefern gewissermaßen gleich das komplette Paket „Firma + Konto + Kreditkarte“.
2.0. Die Wahl der richtigen Offshore Bank
Die Wahl der richtigen Offshorebank muss mit großer Sorgfalt vorgenommen werden, wenn es später keine unangenehmen Überraschungen geben soll. Sowohl Bank als auch Jurisdiktion müssen auf den Verwendungszweck abgestimmt sein.
2.1. Drei grundsätzlich verschiedene Typen von Offshorebanken.
Bank ist nicht gleich Bank. Es gibt Offshorebanken unterschiedlichster Machart, die völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle haben und sich an ganz unterschiedliche Kunden richten.
Im Wesentliche kann man Offshorebanken in drei große Gruppen einteilen:
- Private Banking
- Small Commercial / retail banking
- International Banking
Sehen wir uns die drei Bereiche einmal genauer an:
Private Banking ist simpel gesagt, Banking für Reiche, die große Summen anlegen können. Denken Sie in Größenordnungen etwa ab 500.000 bis 1 Million EURO aufwärts. Diese Art von Banken ist eher als Vermögensverwalter zu betrachten. Kleine Alltagsgeschäfte werden über solche Konten nicht abgewickelt.
Small Commerce / Retailbanking: Das richtige für alle möglichen kleineren Geschäfte. Zum Beispiel Beratungsunternehmen, den Vertrieb digitaler Produkte usw. Hier handelt es sich um ein klassisches Geschäftskonto mit dem alle möglichen alltäglichen Zahlungen abgewickelt werden.
International Banking: Für alle die für weltweite Geschäfte eine internationale Großbank brauchen. Zum Beispiel für umfangreiche Export- und Importgeschäfte. Sie bieten Zwischenfinanzierungen, Letter of Credit, Cross Border Garantien und andere spezielle Dienstleistungen für internationale Geschäfte.
2.2. Der Auswahlprozess
Sie sollten am besten in 4 Schritten vorgehen, um die richtige Bank auszuwählen.
- Analysieren Sie Ihren Bedarf
- Entscheiden Sie sich für eine Jurisdiktion
- Wählen Sie die passende Bank(en) aus.
- Nehmen Sie Kontakt zu den Banken auf.
2.2.1. Analyse der eigenen Bedürfnisse
Starten wir mit Punkt 1.: Was genau benötigen Sie und welche Voraussetzungen bringen Sie mit?
Wie sieht Ihr Profil aus:
- Ihre Staatsbürgerschaft, Ihr Aufenthaltsort und Ihre Meldeadresse
- Ihre beabsichtigten Investment oder Businessaktivitäten
- Die Konditionen der Bank (Zinsen und Gebühren)
- Sprachen: Sprechen die Bankangestellten Englisch oder Ihre Muttersprache?
- Was für eine Art Service benötigen Sie? Reicht ein Girokonto, welche Zahlungskarten benötigen Sie, soll auch ein Festgeldkonto oder ein Brokerkonto mit dabei sein?
- Brauchen Sie Kreditkarten oder Debitkarten?
- Erledigen Sie Ihre Bankgeschäfte eher online oder wünschen Sie möglichst persönliche Beratung?
- Welche Summe können und wollen Sie zunächst bei der Bank anlegen?
Sie sollten alle diese Faktoren sorgfältig bedenken, bevor Sie erste Schritte in die Wege leiten und sich für eine Bank Ihrer Wahl entscheiden.
2.2.2. Die Wahl des richtigen Standortes
OK, Sie haben sich jetzt eingehend Gedanken über Ihre Bedürfnisse gemacht und haben jetzt eine genaue Vorstellung davon, was für eine Bank Sie suchen und welche Anforderungen diese Offshore Bank idealerweise erfüllen sollte. Punkt eins können wir also abhaken.
Als nächstes müssen Sie sich für eine Jurisdiktion entscheiden.
Die Wahl des richtigen Standortes ist wenigstens so entscheidend wie die Wahl der richtigen Bank. Oder besser gesagt, bevor Sie sich für eine Bank entscheiden, müssen Sie sich für eine Jurisdiktion entscheiden.
Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Wie steht es um die politische und wirtschaftliche Stabilität? Hat das betreffende Land wirtschaftliche Probleme? Ist es in der Vergangeneit schon zu Bankpleiten oder Staatsbankrotten gekommen?
- Ist das Land korrupt oder bietet es ein gewisses Maß an Rechtssicherheit?
- Ist es demokratisch oder autoritär verfasst oder irgendetwas dazwischen?
- Bankgeheimnis: An welche Auskunftssysteme ist das Land angeschlossen? An welche Drittländer werden Auskünfte über Kontoinhaber weitergeben?
- Gibt es eine Einlagensicherung für den Fall von Bankpleiten? Wie hoch ist diese?
- Wie steht es um die Reputation? Steht das Land auf schwarzen Listen der USA, der OECD oder anderer wichtiger Staaten oder Organisationen?
- Wie steht es mit dem Steuerrecht? Gibt es Doppelbesteuerungsabkommen oder könnte es zu einer Doppelbesteuerung kommen?
Wenn Sie diese Liste abgearbeitet haben, sollten sich ein oder mehrere Länder herauskristallisieren, die in Frage kommen.
2.2.3. Die Wahl der richtigen Bank
Auf folgende Aspekte sollten Sie bei der Wahl Ihrer Bank achten:
- Sie muss dem vorher festgelegten Anforderungsprofil entsprechen
- Hat die Bank eine Lizenz, ist sie ein zugelassenes Finanzinstitut?
- Sicherheit: Viele, vor allem kleinere Offshorebanken verfügen über keine 2-Faktor-Authentifizierung. Sie sollten sich nicht auf eine Bank einlassen, bei der Sie nur Passwort und Benutzername brauchen, um sich einzuloggen und Transaktionen auszuführen.
- Die Bank sollte stabil sein und über genügend Eigenkapital verfügen. Sind Bilanzen der Bank zugänglich?
- Seit wann existiert die Bank? Es hat durchaus schon Offshorebanken gegeben, die nach einigen Monaten der Existenz plötzlich samt Kundengeldern verschwunden waren.
- Gibt es negative Berichte im Internet von unzufriedenen Kunden? Hat es in der Vergangenheit Probleme mit Überweisungen gegeben?
- Wie gestalten sich die Gebühren der Bank? Was kosten Überweisungen, was kostet die Kontoführung, was kosten Kreditkarten?
- Wie hoch ist die Mindesteinzahlung, um ein Konto zu eröffnen?
- Welche Möglichkeiten gibt es, um mit dem Kundendienst Kontakt aufzunehmen?
- Sie muss stabil sein und über genügend Kapital verfügen. In Zeiten globaler Finanzkrisen lebenswichtig Sie sollte in jeder Hinsicht schnell und effizient arbeiten.
Sie können davon ausgehen, dass die Institute, die wir Ihnen im Anhang dieses Reports nennen, diese Kriterien erfüllen, auch wenn es selbstverständlich noch eine ganze Reihe weiterer in Frage kommender Banken gibt die wir hier nicht genannt haben.
Absolute Sicherheit gibt es im Zeitalter globaler Finanzkrisen nicht. Wir leben in einer Zeit, in der ganze Währungen und Staaten auf der Kippe zum Bankrott stehen – Auch Offshorebanken können keine 100 % Sicherheit gegenüber weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen bieten.
3.0. Die Kontoeröffnung
Die Eröffnung eines Offshorekontos ist leider ein klein wenig komplizierter als die Eröffnung eines Privatkontos bei der Sparkasse in ihrer Heimatstadt. Die Zeiten, wo es reichte ein Formular auszufüllen und eine Kopie Ihres Reisepasses einzuschicken, sind leider lange vorbei. Spätestens seit dem
- September 2011 und dem von den USA initiierten „Krieg gegen den Terror“ haben nahezu alle Banken weltweit die Anforderungen an die Dokumentation zur Kontoeröffnung drastisch erhöht. Sie müssen sich also auf einen ziemlich intensiven Papierkrieg einstellen, um erfolgreich ein Offshorekonto zu eröffnen.
3.1. Wie eröffnet man ein Offshorekonto?
Sie sollten eine ordentliche Portion Geduld mitbringen und sich darauf einstellen dass Sie nicht bei jeder Bank, bei der Sie es versuchen, ein Konto zu eröffnen, erfolgreich sein werden.
Je weniger Erfahrung Sie auf diesem Gebiet haben, um so schwieriger werden sich sicherlich Ihre ersten Gehversuche in Sachen Kontoeröffnung gestalten. Aber nur Mut – mit Geduld und Spucke haben Sie gute Chancen, die Sache letztlich zu einem guten Abschluss zu bringen. Je solider Ihr Geschäftsmodell ist und je überzeugender Sie dies der Bank darstellen können, umso größer ist die Chance auf eine erfolgreiche Kontoeröffnung. Es empfiehlt sich übrigens, nicht zu kleckern, sondern von Anfang an zu klotzen. Sie bekommen meist einen besseren Service, wenn Sie gleich bei Kontoeröffnung einen nennenswerten Betrag einzahlen, wenigstens 5.000 oder 10.000 EUR. Jedenfalls deutlich mehr als de von der Bank meist verlangten Minimalbetrag.
Geld überzeugt immer und ein Konto gleich mit einer Ersteinlage in Höhe von einigen tausend oder zehntausend Euro zu eröffnen macht in jedem Fall einen guten, solventen Eindruck. Keine Bank ist auf Kunden scharf die jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen…
Vermeiden sie es, Offshorekonten lange Zeit mit wenig oder gar keinem Guthaben zu betreiben. Das macht auf ihre geschäftlichen Aktivitäten bezogen auf die Bank keinen besonders guten Eindruck und deutet auf Inaktivität hin. Konten auf denen keine Aktivität stattfindet, sind für die Bank nicht sonderlich interessant.
3.2. Bankkonto über einen Vermittler eröffnen?
Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, die versprechen, Ihnen die Bürde der Kontoeröffnung abzunehmen. Meist wird ihnen Auch gleich dazu die passende Offshorefirma verkauft. Der Vorteil ist offensichtlich:
Im Idealfall nimmt Ihnen der Vermittler den größten Teil des Papierkrieges ab, füllt die Bankformulare aus und regelt alles mit der Bank in Sachen Kontoeröffnung. Meist innerhalb von ca. 14 Tagen bekommen Sie dann Ihre Zugangsdaten zum Internetbanking sowie eventuell bestellte Plastikkarten per Kurierdienst an eine Adresse Ihrer Wahl. Leider tummeln sich auf dem Markt jede Menge weniger gute Vermittler, die Ihnen häufig nur für teuer Geld die Kontoeröffnungsunterlagen der Bank verkaufen und Sie dann mit dem weitere Procedere allein lassen, nachdem sie erst einmal Geld gesehen haben. Grundsätzlich ist aber das Einschalten eines seriösen Vermittlers eine gute Idee, mit der Sie den bürokratischen Ballast bei der Kontoeröffnung enorm verringern können.
Die Sache kostet allerdings Geld: Zwischen 300 und 3000 $ können dafür ohne weiteres veranschlagt werden. Dazu kommen noch die Kosten für das Einrichten der Offshorefirma, die belaufen sich meist auf weitere 1000- 3000 US$. Sicher ist das Geld, aber Ihre Privatsphäre sollte Ihnen das Wert sein. Auf längere Sicht macht sich eine Offshorefirma auf jeden Fall bezahlt – der Schutz Ihrer Privatsphäre sollte Ihnen das wert sein.
3.3. Diese Dokumente brauchen Sie zur Kontoeröffnung
Sie brauchen zunächst einmal eine ganze Menge Dokumente, die die Bank bei der Kontoeröffnung auf jedem Fall sehen will. Die ersten beiden sind ein absolutes Muss, ohne geht gar nichts. Die weiteren Dokumente in der Liste sind von Bank zu Bank unterschiedlich wichtig und können manchmal auch von Ihrem „Bank Introducer“ gestellt werden.
- Reisepass-Kopie, in der Regel notariell beglaubigt. Manchmal tut es auch eine Beglaubigung vom Einwohnermeldeamt oder einer anderen Behörde, die Beglaubigungen ausstellt.
- Utility Bill: Dient als Nachweis über die Korrektheit Ihrer Wohnsitzanschrift. Wohlgemerkt, hier ist eine private Anschrift gemeint, wo die Bank Sie erreichen kann und wo Sie Ihren tatsächlichen Aufenthaltsort haben. Es wird meist die Vorlage einer Strom, Gas- oder Festnetztelefonrechnung verlangt, alternativ auch Kreditkarten- oder Kontoauszüge mit der entsprechenden Adresse. Falls in Kopie eingereicht, kann auch hier eine Beglaubigung erforderlich sein. Wer keinen festen Wohnsitz hat, kann an dieser Stelle in Schwierigkeiten geraten. Unter Umständen müssen Sie in an Ihrem Hauptaufenthaltsort eine Wohnung oder ein Zimmer mieten, um an die benötigten Verbrauchsrechnungen zu gelangen. Leide rein umständliches Procedere und ein klarer Nachteil des Lebens als Perpetual Traveller ohne festen Wohnsitz.
- Referenzschreiben von Ihrer bestehenden Bank. Ein etwas heikler Fall, gerade in Deutschland.
- Manchmal auch ergänzend oder alternativ Kontoauszüge einer bestehenden Bankverbindung
- Unter Umständen verlangt die Bank detaillierte Informationen über Ihr Geschäft in Form eines Businessplanes mit den üblichen Kennzahlen zur Umsatzentwicklung und einer Erläuterung Ihres Geschäftsmodells.
3.4. Dokumente für die Eröffnung eines Geschäftskontos
Bei der Eröffnung eines Geschäftskontos ist die Liste noch umfangreicher. Es werden die bereits genannten Dokumente für alle Direktoren/Geschäftsführer benötigt sowie folgende Dokumente für die Firma als solche:
- Articles of Incorporation (Gesellschaftervertrag, grundlegende Verfassung der Gesellschaft)
- Certificate of Good Standing (Für Gesellschaften die schon länger bestehen, ein Nachweis darüber, das die Gesellschaft noch existiert und alles im Reinen ist.
- Certificate of Incorporation: Der Nachweis, dass die Gesellschaft im Firmenregister eingetragen ist.
- Certificate of Incumbency: Liste mit den zeichnungsberechtigten Personen
- Businessplan: Aussagekräftiger Businessplan
3.5. Beglaubigungen
Sie werden Ihre Dokumente normalerweise als Kopien einreichen, oder in elektronischer Form als Scans. Die meisten Dokumente müssen zuvor beglaubigt werden, um die Echtheit für die Bank einigermaßen sicher zu stellen. Dokumente lassen sich heute mit Bildbearbeitungsprogrammen relativ leicht fälschen, daher werden Sie bei kaum einer Bank ohne Beglaubigung auskommen.
Die einfachste Form der Beglaubigung können Sie z.B. bei einem Einwohnermeldeamt vornehmen lassen. Dabei stempelt der Sachbearbeiter auf eine Kopie des Originaldokuments das Siegel und einen Vermerk, das die Kopie mit dem Original identisch ist. Manche Banken wollen explizit eine notarielle Beglaubigung. In diesem Fall müssen die fraglichen Dokumente von einem Notar beglaubigt werden.
Dafür fallen etwas höhere Kosten an als für die Beglaubigung auf einer Behörde.
Schließlich und endlich gibt es noch die Überbeglaubigung, die sogenannte Apostille. Die Apostille ist die Beglaubigungs- oder Legalisationsform, die zwischen den Vertrags- oder Mitgliedstaaten des multilateralen Übereinkommens Nummer 12 der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht im Jahre 1961 eingeführt wurde. Die Vereinfachung des Rechtsverkehrs, die mit diesem Übereinkommen erreicht werden konnte, trägt heute wesentlich zur Entwicklung der Globalisierung bei, weil sie internationale Rechtswege rasch und unbürokratisch ermöglicht.
Die Apostille ist teuer und aufwändig, und wenn es irgendwie geht, sollten Sie versuchen, das zu vermeiden. Leider geht es bei manchen Banken nicht ohne.
3.6. Probleme bei der Beschaffung von Dokumenten
Sie benötigen zur Kontoeröffnung meistens ein Referenzschreiben von Ihrer bestehenden Bank, in dem, diese Ihrer neuen Bank bestätigt, daß Sie dort so und so lange als Kunde bekannt sind, man gerne mit Ihnen zusammengearbeitet hat und Sie allgemein ein vertrauenswürdiger Gschäftspartner sind.
Das Problem: viele deutsche Banken schreiben keine Referenzschreiben… Sie sollten der Bank klar und präzise erklären können, worin Ihr Geschäft besteht, was für Zahlungen in welcher Höhe Sie auf ihrem Konto erwarten und welcher Herkunft diese Gelder sind. Dieser Punkt ist sehr wichtig.
Diese Daten werden praktisch in jedem Kontoeröffnungsformular abgefragt und Sie sollten darauf eine schlüssige Antwort haben. Bei größeren Summen, z. B. aus Immobilienverkäufen, müssen Sie damit rechnen, dass die Bank Belege über die Herkunft des Geldes sehen will (Vertragskopien etc.).
Bitte verstehen Sie, dass diese Due Dilligence-Prozeduren in der heutigen Welt des globalisierte Bankings völlig normal sind. Sorgen Sie stets für einen guten Informationsfluss zu Ihrer Bank, seien Sie stets kommunikativ und zu allen geforderten Auskünften bereit. Halten Sie Ihre Bank stets über wichtige Veränderungen in Ihrem Geschäft auf dem Laufenden, z.B. wenn sich der Gegenstand Ihrer Geschäfte ändert oder ein- oder ausgehende Zahlungen in ungewöhnlicher Höhe zu verzeichnen sind. Das schafft Vertrauen und überzeugt die Bank davon, dass sie es bei Ihnen mit einem professionellen und seriösen Geschäftspartner zu tun hat.
Nun stellt sich eine Frage: Was ist wenn ich die geforderten Dokumente nicht beschaffen kann? Es kann sein, dass Sie mit einigen Dokumenten auf der Liste Probleme haben.
Vielleicht besitzen Sie keinen Reisepass, weil Sie bisher nie Auslandsreisen unternommen haben, oder bisher immer nur in der EU gereist sind, wo der Personalausweis als Reisedokument ausgereicht hat. Oder, was noch häufiger der Fall sein dürfte, die geforderten Referenzschreiben von ihrer derzeitigen Bank machen Probleme. Zum Beispiel schreiben manche Banken aus Prinzip keine Referenzschreiben. Wenden Sie sich in diesem Fall bitte vertrauensvoll an Ihre zukünftige Offshorebank und erklären Sie den Fall dort. Wenn Ihr Geschäftskonzept sonst schlüssig ist und einen guten Eindruck macht, kann es gut sein dass man Ihnen entgegenkommt und eventuell andere Dokumente als Ersatz akzeptiert.
So wird zum Beispiel statt des Reisepasses manchmal auch der Personalausweis oder der Führerschein als Ersatzdokument zur Eröffnung eines Bankkontos akzeptiert. Oder statt eines Bankreferenzschreibens wird manchmal auch ein Referenzschreiben eines Steuerberaters oder eines Rechtsanwaltes akzeptierts. Oder Sie finden einen Bank Indroducer, der sämtliche Referenzschreiben für Sie hinbiegen kann. Diese Leute sind allerdings rar gesäät. Die wirklich fähigen Leute auf diesem Gebiet – Leute im Internet die Ihnen ein Bankkonto versprechen gibt es wie Sand am Meer. Nur die wenigsten können dieses Versprechen auch immer einhalten.
Sie haben alles beisammen – wie geht’s jetzt weiter?
3.7. Der erste Eindruck ist entscheidend
Ein neues Offshorekonto zu eröffnen ist ein wenig wie der Beginn einer neuen Liebesbeziehung. Der erste Eindruck ist entscheidend. Die Kontoeröffnungsprozedur ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Manche Banken möchten sich erst telefonisch ein wenig mit Ihnen unterhalten, um sie als Person voran kennen zu lernen und zu prüfen, ob Sie zur Bank passen.
Andere verlangen erst einmal, sämtlichen Papierkram fertig zu machen und einzuschicken und bearbeiten Ihren Antrag erst, wenn alle Dokumente vollständig sind. Eine gute Idee ist es in jedem Fall, wenn Sie vorab per Brief oder Fax eine schriftliche Anfrage nach Kontoeröffnung stellen. Ggfs. können Sie auch das Fax verwenden. Von Email würden wir beim Erstkontakt eher abraten.
Ein Anschreiben auf hochwertigem Briefpapier vermittelt von vorne herein einfach mehr Seriosität und Professionalität. Außerdem wird man Ihnen in den meisten Fällen auch per Post antworten – in jedem Fall erfahren Sie meist Namen und Anschrift Ihres Ansprechpartners bei der Bank.
Eine andere Option ist, sich vorab telefonisch zu erkundigen. Achten Sie auch auf das Erscheinungsbild der Homepage der Bank. Je mehr Emailadressen oder Kontaktformulare dort vorhanden sind, umso ange- brachter dürfte es sein, sich per Internet zu melden, finden sich dort hauptsächlich Telefonnummern und Adressen, sind Sie vermutlich mit einem Anruf oder einem Anschreiben besser bedient.
3.8. Auf Nummer sicher: Kontoeröffnung mit Vermittler
Oder Sie gehen auf Nummer sicher und bedienen sich für einige hundert Euro der Dienste eines professionellen „Bank Introducers“, eines Vermittlers, der einen Großteil der Formalitäten mit der Bank für Sie abwickelt und vorbereitet. Ein guter Vermittler kann Ihnen die Unterlagen soweit aufbereiten, dass Sie praktisch bloß noch die ausgefüllten Bankanträge unterschreiben müssen.
Natürlich können Sie es auch ohne versuchen, aber gerade wenn Sie es vielleicht eilig haben und Ihr Konto einigermaßen kurzfristig einsatzbereit sein soll, kann es empfehlenswert sein, die Kontoeröffnung gleich zusammen mit der Firmengründung in Auftrag zu geben. Der Vermittler ist bei der Bank bereits eingeführt und kennt die dortigen Gepflogenheiten und kann Sie bei der Beschaffung aller notwendigen Dokumente unterstützen.
Das Problem: Es ist schwer hier die Spreu vom Weizen zu trennen und die meisten Vermittler arbeiten nur mit einer handvoll ausgewählter Banken zusammen. Es ist die Frage, ob Ihre Bank dabei ist. Lassen Sie sich nicht eine Bankverbindung verkaufen, die Sie nur deshalb bekommen sollen, weil der Vermittler sie zufällig in seinem Sortiment hat.
3.9. Eröffnung per Post oder Anreise?
Wenn Sie einen Vermittler beauftragen, ist Ihre persönliche Anwesenheit bei der Kontoeröffnung nicht erforderlich. Sie können jedoch auch selbst bei vielen Banken eine Kontoeröffnung auf dem Postweg vornehmen. Bei Eröffnung auf dem Postweg will die Bank aber meistens mehr Beglaubigungen und Dokumente sehen und der Antrag wird leichter abgelehnt, wenn irgendwelche Unstimmigkeiten auftauchen, als bei einer persönlichen Anwesenheit bei Kontoeröffnung.
Wenn es sich irgendwie einrichten lässt: Tauchen Sie persönlich zur Kontoeröffnung auf. Sie demonstrieren damit Seriosität, die Banker können sich ein persönliches Bild machen und werde sehr viel weniger misstrauisch sein. Wenn Sie eine persönliche Anreise auf sich nehmen, dann zeigt das der Bank, dass Sie die Kontoeröffnung ernst nehmen und das die Kosten der Anreise offenbar keine Rolle spielen.
Natürlich gibt es Offshorebanken auf Karibikinseln, wo gar kein Publikumsverkehr vorgesehen ist und die Kontoeröffnung in jedem Fall per Post stattfindet. Wenn Sie aber ein Konto bei einer größeren Bank in der Schweiz, in Hongkong oder Singapur eröffnen, ist eine persönliche Anwesenheit in jedem Fall vorteilhaft.
Ein Sonderfall sind Kontoeröffnungen in den USA: Hier geht ohne persönliche Anwesenheit bei den meisten Banken gar nichts. Eine Kontoeröffnung ist normalerweise nur bei Anreise in die USA und persönlicher Vorsprache bei einer Bank möglich.
4.0. Wie Sie korrekt mit Ihrem neuen Konto arbeiten
Auch nach dem die Bank Ihr neues Konto eingerichtet hat, gibt es noch einiges zu beachten, damit die Zusammenarbeit mit der Bank erfolgreich verläuft:
Seien Sie erreichbar für Ihre Bank! Falls irgendein Problem auftritt, muss Ihre Bank Sie umgehend erreichen können! Geben Sie der Bank nicht irgendwelche Voicemail-Telefonnummern, die Sie nur alle paar Wochen mal abhören, sondern stattdessen eine Telefonnummer und eine Anschrift, unter der Sie jederzeit und ohne Verzug erreichbar sind! Sollte Ihre Bank irgendein Stück Papier von Ihnen verlangen, dann beschaffen Sie es. Auch wenn es Ihnen unwichtig erscheint. Die fragen nicht grundlos danach.
Banken stehen heutzutage unter enormen Druck, was die Verfolgung von Unregelmäßigkeiten angeht.
4.1. Ein- und Ausgehende Zahlungen
Man kann es nicht oft genug sagen: Verwenden Sie niemals das gleiche Konto als „Frontend“ für laufende Zahlungen und zugleich als „Sparbüchse“ für Ihre Vermögensanlagen! Stellen Sie sich vor, Ihr Scheckbuch oder Ihre Kreditkarten fallen in die falschen Hände… Sie sollten ein Konto haben, über das Sie alle laufenden Ein- und Ausgänge abwickeln und ein anderes Konto bei einer anderen Bank, das ausschließlich dazu dient, ihre Ersparnisse sicher zu verwahren und anzulegen.
Wenn sich gravierende Veränderungen an ihrem Geschäftsmodell und an der Höhe der ein- und ausgehenden Zahlungen ergeben, informieren Sie Ihre Bank von sich aus. Seien Sie immer proaktiv und halten Sie Ihre Bank von sich aus über alles Wesentliche auf dem Laufenden.
Disclaimer:
Dieser Ratgeber dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die steuerliche Behandlung hängt von den individuellen Umständen des Einzelfalls ab. Bei konkreten Fragen zur Wegzugsbesteuerung sollte unbedingt ein Steuerberater oder Rechtsanwalt konsultiert werden. Die Ausführungen basieren auf dem Rechtsstand November 2025 und können durch spätere Gesetzesänderungen oder Rechtsprechung überholt sein.





