Unternehmensnachfolge

optimal planen

Bei der Planung der Unternehmensnachfolge sind immer mehrere Personen oft mit den unterschiedlichsten Interessen beteiligt:

– der Nachfolger und seine Familie,
– der übergebende Unternehmer und seine Familie,
– die Mitarbeiter,
– die Kunden, Lieferanten und Vertriebspartner sowie der Bankberater.

Bei diesen vielen lnteressensunterschieden ist es ganz natürlich, dass bei der Umsetzung der Unternehmensnachfolge, Konflikte auftreten können. Dass es keine leichte Aufgabe ist, die verschiedenen Erfahrungen und Temperamente unter einen Hut zu bekommen, ist den hierbei involvierten Personen bekannt. Es ist daher wichtig, dass sich jeder Beteiligte den eigenen Interessen bewusst wird und diese während dieses Prozesses klar kommuniziert um zu vermeiden, dass die unausgesprochenen Bedürfnisse und Wünsche, die beim Gesprächspartner als diffuse Erwartungen ankommen, die Kommunikation zu belasten.

Eine geschickte Unternehmensnachfolgeregelung bietet den Vorteil, dass der Nachfolger über einen gewissen Zeitraum von meist zwei bis drei Jahren in das Unternehmen eingeführt wird und die Erfahrungen des Seniors nutzen kann denn der Senior kennt – sein – Unternehmen, kennt den Markt mit allen Chancen und Risiken, kann den Nachfolger vor bestimmten Kunden warnen und weiß mit unzuverlässigen Lieferanten umzugehen. Und doch muss jeder Nachfolger eigene Erfahrungen sammeln. Er muss eigenständig Entscheidungen treffen und im Idealfall lässt der Senior auf Wunsch und Nachfragen seine Erfahrungen einfließen.

Leider gibt es kein „Erfolgsrezept“ für eine ideale Unternehmensübertragung. Jeder Fall, jedes Unternehmen bedarf einer individuellen Lösung bei der entschieden werden muss ob der Nachfolger und der Alt-Inhaber eine gemeinsame Übergangsphase gestalten oder lieber das Unternehmen von einem Tag auf den anderen übergeben wollen. Wenn die „Chemie stimmt“ ist die „gemeinsame Übergangsphase “ für Nachfolger und Unternehmer meist die clevere Lösung.

familienfremden Nachfolger. Dieser sollte sich darauf einstellen, dass er möglicherweise zur Projektionsfläche von Gefühlen, Vorstellungen und Erwartungen wird, die eigentlich den Kindern gelten. Mit anderen Worten: Der Seniorchef wird Themen, die in seine Familie gehören, unbewusst auf den Nachfolger übertragen. Dieser sollte über diesen psychologischen Vorgang Bescheid wissen, so kann er Reaktionen und Verhaltensweisen seines früheren Chefs einordnen, ohne sie auf seine Person zu beziehen. Vor allem im Konfliktfall wird er durch besonders Reagieren eine Eskalation verhindern.

 

Funktioniert nicht von allein: Kommunikation

 

Der Idealzustand: Die Kommunikation verläuft reibungslos. Zwischen den Gesprächspartnern herrscht Vertrauen. Es herrscht ein Klima der Offenheit und gegenseitigen Wertschätzung, in dem produktiv und zielstrebig an Sachinhalten gearbeitet werden kann. Das schließt auch die Möglichkeit ein, in angemessener Form „Nein“ sagen zu können, ohne dass das Vertrauen verloren geht. Im „richtigen Leben“ kommt dieser Idealzustand allerdings nicht sehr häufig vor. Im Gegenteil: Konflikte gehören in jeder Beziehung dazu – ob zwischen Nachfolger und Altinhaber, dem Alt-Inhaber und seiner Familie, der Familie und dem Nachfolger usw. Meist brodelt es dabei unter der Oberfläche, bis die Situation dann schließlich eskaliert und keine Kommunikation mehr möglich ist. Hier sollten alle Beteiligten in ihrem eigenen Interesse, aber vor allem auch im Interesse des Unternehmens und der Arbeitsplätze vorbeugen und erkennen, dass: Kommunikation kein Selbstläufer ist, sondern aktiv gestaltet wird – von allen Beteiligten

 

  • ignorieren oder „schön reden“ nicht weiterhelfen

 

  • jeder Konflikt eine Herausforderung ist, die gemeistert werden kann

 

  • die Bereitschaft, seinen eigenen Anteil am Konflikt zu sehen und daran zu arbeiten Voraussetzung für eine Lösung ist

 

  • externe Unterstützung zur Verfügung steht und einbezogen werden sollte, und zwar lieber zu früh als zu spät.

 

 

 

 

 

 

Übersicht: Kommunikation in Stufen

 

1 Stufe 1:

Stockende Kommunikation – Skepsis

 

Diese Stufe ist allzu oft der Normalfall im Kontext der Übergabe. Die Bereitschaft, einander zuzuhören, ist zwar noch da, aber was der andere sagt, wird nur zum Teil wohlwollend aufgenommen. Aussagen werden vorsichtig formuliert, die latente Angst davor, ,,etwas Falsches zu sagen“, schränkt jegliche kreativen Impulse ein. Treten zusätzliche Schwierigkeiten auf, verhärten sich bestehende Standpunkte.

 

TIPP

 

  • Die oben beschriebenen Warnsignale wahrnehmen und als solche auch im Gespräch benennen.

 

  • Gemeinsames Ziel hervorheben: Erhalt des Unternehmens und Sicherung der Arbeitsplätze.

 

  • Positive Aspekte der bisherigen Zusammenarbeit hervorheben und auf der Grundlage gemeinsam versuchen, Schwachstellen zu beheben.

 

  • Missverständnisse vermeiden und Offenheit gegenüber der Meinung des Gesprächspartners zeigen: Mit eigenen Worten den Standpunkt des Gesprächspartners formulieren und nachhaken, ob der Sachverhalt richtig wiedergegeben wurde. Gegebenenfalls korrigieren. Allen beteiligten Personen muss der Standpunkt des jeweils anderen klar sein.

 

  • Rollen klären: Sprechen die Beteiligten „auf gleicher Augenhöhe“? Fühlt sich einer der Gesprächspartner in der Defensive, muss dies thematisiert werden. Auch hier gemeinsames Ziel betonen.

 

  • Gegebenenfalls Kompromisslösungen oder Alternativen vorschlagen.

 

  • Vor jeder Gesprächsrunde: Gemeinsam Themen festlegen und „abarbeiten“. In jedem Fall: Ergebnisse schriftlich festhalten.

 

2 Stufe 2:

Erstarrte Kommunikation – Ablehnung und Streit

 

  • Die Konfliktparteien bestehen jeweils auf ihrem Standpunkt. Aus dieser Position heraus wird der anderen Seite Taktieren und Unaufrichtigkeit unterstellt. Gegenseitige Skepsis und Befürchtungen nehmen zu, was auch die gegenseitige Ablehnung verstärkt. Es machen sich negative Gefühle wie Ärger, Wut, Machtlosigkeit und auch Enttäuschung breit. Es geht ums Rechthaben. Vorwürfe und gegenseitig kränkende Anklagen vergiften zunehmend das Gesprächsklima.

 

  • Problem sowie gemeinsames Ziel des Unternehmenserhalts und der Arbeitsplatz-Sicherung benennen.

 

  • externe Unterstützung hinzuziehen, um wieder auf den Weg zum gemeinsamen Ziel zu kommen. Aus dem gemeinsamen Umfeld schlägt jeder der Beteiligten drei Personen vor, die er bzw. sie als externen Berater hinzuziehen würde. Sollte sich keine Überschneidung ergeben, so sollte die zuständige Kammer angesprochen werden, die einen geeigneten psychologisch geschulten Berater empfiehlt.

 

  • Ablauf: In der Regel wird über einen Zeitraum von drei bis fünf Wochen einmal wöchentlich im Beisein des Beraters ein Gespräch geführt, der die Rolle der Beteiligten und deren Verhalten analysiert und beschreibt sowie Hinweise zur Verbesserung der Kommunikationsstruktur gibt.

 

3 Stufe 3:

Abgebrochene Kommunikation Resignation

 

  • Rückzug charakterisiert diese Stufe. Kommunikation wird systematisch vermieden, indem man sich aus dem Weg geht. An Zusammenarbeit ist nicht mehr zu denken. Das Schaffen vollendeter Tatsachen

ersetzt den sprachlichen Austausch. Nonverbale Druckmittel erzeugen Panik, Angst und Gegendruck.

Kommuniziert wird über Rechtsanwälte. Die Zukunft des Unternehmens ist in Gefahr.

 

  • Senior-Unternehmer: Überlegen, ob ein anderer Nachfolger innerhalb der Familie in Frage kommt. Oder ob ein externer Nachfolger gesucht werden sollte.

 

  • Nachfolger: Möglicherweise kann die Übernahme eines anderen Unternehmens sinnvoller sein.

 

  • Besteht nach wie vor bei allen Beteiligten das Interesse, das Unternehmen in der bestehenden personellen Konstellation zu übergeben, muss ein von allen akzeptierten psychologisch geschulten Berater einbezogen werden (s. o.)

 

  • Die Beteiligten müssen erkennen, dass sie mit ihrem Verhalten Unternehmen, Arbeitsplätze und u. U. die eigene Zukunft aufs Spiel setzen, wenn sie sich nicht wieder auf eine gangbare Kommunikationsebene begeben.

 

Weitere Hinweise zum Konfliktmanagement erhalten Sie in der Fachliteratur oder in speziellen Seminaren der Volkshochschulen, Kammern oder von privaten Organisationen.

 

 

Wenn die „Chemie“ stimmt:

Die gemeinsame Übergangsphase

 

Reden und Zuhören gehören hier zu dem wichtigsten Erfolg versprechenden Instrumenten. Da bei den meisten Menschen das Mitteilungsbedürfnis weitaus stärker ausgeprägt ist als das Zuhörbedürfnis, ist es schwer, ausgewogene Gespräche zu führen. Wird die Kommunikation schwierig, holen sie sich frühzeitig Unternehmensberater zu Hilfe, die psychologisch versiert und fähig sind, ihre Gespräche zu moderieren. Sollten Sie bei der Auswahl des richtigen Beraters unschlüssig sein, so nehmen Sie den, der die Fähigkeit des Zuhörens hat.

 

FOLLOW US
Share